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Kommende Buchkritiken
Der letzte Weynfeldt
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Autor
Martin Suter
Genre Roman
Verlag Diogenes ISBN 978-3-257-06630-2 Erscheinungsdatum (D) Februar 2008 Seiten 314 |
Inhalt
Adrian Weynfeldt ist Kunstexperte und arbeitet bei einem international anerkannten Auktionshaus. Der mehr als gut betuchte Junggeselle ist Mitte fünfzig und beglückt seinen großen Freundeskreis mit seiner gerne gesehenen Großzügigkeit. Sein Liebesleben liegt auf Eis, irgendwie trauert er noch immer seiner großen Jugendliebe nach, mit der es leider nicht geklappt hat. So lebt Adrian in seiner riesigen Stadtwohnung ganz allein, gut betreut von einer Haushälterin, die schon zum Inventar gehörte, als Adrians Mutter noch lebte. Obwohl er die Wohnung seither komplett verändert hat, ist das Zimmer seiner Mutter immer noch so eingerichtet, wie es am Tage ihres Todes war. So ist Adrian eigentlich ganz zufrieden mit seinem geruhsamen und wohlgeordneten Leben, in dem eine Frau gar keinen Platz hätte.
Dann aber lernt Weynfeldt eine um einiges jüngere Frau kennen, die er schließlich - völlig entgegen seiner Gewohnheiten - mit zu sich nach Hause nimmt. Am nächsten Morgen steht diese Frau außerhalb von Adrians Balkonbrüstung und will sich das Leben nehmen. Es gelingt Adrian zwar, Lorena von ihrem Plan abzubringen, doch von nun an scheint er für ihr Leben verantwortlich zu sein. Lorena schreckt nicht davor zurück, bei allen möglichen Schwierigkeiten auf Adrians Hilfe zurückzugreifen - vor allem dann nicht, wenn diese finanzieller Art ist. Mehr und mehr gerät das geregelte und beschauliche Leben Weynfeldts aus den Fugen, und anfangs ist ihm das auch noch ganz recht. Doch irgendwann wird dem Kunstexperten klar, dass es jenseits seiner verlässlichen Welt Dinge gibt, die sich nicht einfach mit einer Menge Geld regeln lassen.
Buchkritik von Stefanie Rufle
Wie schon das Buchcover verrät, dreht sich dieser neue Roman Martin Suters um das weltberühmte Bild "Femme nue devant une salamandre" des Schweizer Malers Félix Vallotton. Das Künstlermillieu wird hier in den Mittelpunkt gestellt und Suter ergeht sich in ausführlichen Bildbeschreibungen, aber auch in detaillierten Schilderungen von Wohnungseinrichtungen. Das ist sicherlich nicht ganz uninteressant und Suter beweist auch hier, dass er etwas von seinem Handwerk versteht - doch insgesamt sind diese ausführlichen Beschreibungen der Spannung nicht unbedingt zuträglich. So schleppt sich die Handlung etwas mühsam dahin, vom gewohnt energiegeladenen Stil des Autors wird hier zu wenig geboten. Wie üblich beschreibt Suter seine Protagonisten äußerst liebevoll und detailliert, sie wirken angenehm lebendig und glaubhaft. Vor allem Adrian Weynfeldt hat viele herrlich menschliche Marotten, die aus dem Leben gegriffen wirken. Auch Suters Sprache macht wieder Spaß, mit gewohntem Charme schleicht sich der eine oder andere Schweizer Ausdruck ein, der dem Roman eine angenehme Wärme verleiht.
Doch die Geschichte an sich wirkt etwas verworren und konstruiert und macht das Lesen stellenweise leider sehr mühsam. Beim Umblättern jeder einzelnen Seite hofft man insgeheim, dass der Autor nun endlich richtig loslegen möge - und wird enttäuscht. Obwohl Martin Suters gewohntes Motiv - das Leben einer Person verändert sich durch ein einschneidendes Ereignis komplett und unwiderruflich - auch hier wieder auftaucht, fehlt diesem Roman doch der nötige Biss. "Der letzte Weynfeldt" ist ganz sicherlich kein schlechter Roman, doch Martin Suter-Fans sind eindeutig Besseres gewohnt.

