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Kommende Buchkritiken
Zwölf Schritte
Tizenkét lépés
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Autor
Ákos Molnár
Genre Roman
Verlag Piper ISBN 978-3-492-05013-5 Übersetzung Christina Kunze Erscheinungsdatum (D) November 2007 Erschienen 1933 Seiten 315 |
Inhalt
Als Professor Tittelbach Helga, die Schwester seines Schülers Egon kennen lernt, scheint es fast unmöglich, dass die beiden sich nicht ineinander verlieben. Helga, das Mädchen, das nach Erdbeeren duftet, ist so ganz anders, als all die vielen Abenteuer, die Tittelbach zuvor hatte. Zwar möchte er Helga keinesfalls heiraten, doch das Zusammenleben mit ihr ist ungewöhnlich friedlich, harmonisch und voller Tiefe.
Wenn da nicht Grete, das neue Dienstmädchen wäre. Zunächst einmal ist der Professor froh, dass seine Helga endlich eine passende Hilfe für den Haushalt gefunden hat, doch bald schon will ihm das derbe Mädchen mit dem strahlenden Lächeln nicht mehr aus dem Kopf gehen. Ihr eigenartiger Geruch, ihre abgearbeiteten rauen Hände und ihre vollen Rundungen beschäftigen Tittelbach über Gebühr und auch Egon, Helgas jüngerer Bruder, kann kaum seine Hände von Grete lassen.
In Wirklichkeit allerdings treibt ihn eine verbotene Leidenschaft zu seiner Schwester um, und so wird aus der so harmonisch begonnenen Liebesgeschichte bald schon eine verhängnisvolle Vierecksbeziehung.
Buchkritik von Stefanie Rufle
Kaum zu glauben, dass dieser Roman vor mehr als siebzig Jahren entstanden ist. Was Molnár in das Berlin der dreißiger Jahre platzierte, könnte durchaus auch heute noch seine Berechtigung haben. „Zwölf Schritte“ ist unglaublich modern geschrieben und doch auch so voller Eleganz, dass das Buch in seiner vornehmen und zurückhaltenden Sprache keiner bestimmten Zeit zugeordnet werden kann. Voller psychologischer Raffinesse erzählt der Autor eine dramatische Geschichte, die aber weit davon entfernt ist, reißerisch oder übertrieben zu wirken.
Molnárs Schreibstil ist völlig unprätentiös und er beweist ein feinsinniges Gespür für die Wahrnehmungen und Gefühle seiner Figuren. Alles dreht sich um die zwölf Schritte, die Gretes Bett von Tittelbachs entfernt steht – und um die unterschwellige Erotik, um die dunkle Macht des Verlangens, das fast schon schleichend Vernunft und Konventionen besiegt. „Zwölf Schritte“ ist ein lange vergessener Roman, der durch sein Aufleben auch dem großartigen Autor Ákos Molnár, der 1945 zusammen mit seiner Frau im besetzten Budapest von einem Mitglied der antisemitischen Faschistenpartei erschossen wurde, zu einer Wiedergeburt verhelfen könnte.
Wissenswertes
Versehen mit einem ausführlichen Nachwort von János Kóbányai, der über Ákos Molnárs Leben, sein Werk und seinen tragischen Tod berichtet.
