Aktuelle Autoren
Aktuelle Buchkritiken
- März
- Ashby House
- März
- Atem
- März
- Aufziehendes Gewitter
- März
- Die Bestimmung
- März
- Die Geheimnisse des Nic...
- März
- Die Nacht
- März
- Die Schuldlosen
- März
- Du und ich
- März
- Etwas endet, etwas beginnt
- März
- Garp und wie er die Welt sah
- März
- Nachricht von dir
- März
- Räuberleben
- März
- Schwarzer Schmetterling
- März
- Sie und er
- März
- Splitterwelten
- April
- Die 39 Zeichen - 9
- April
- Liebe und andere Ver...
- April
- Sarg niemals nie
- April
- Schweig still mein M...
- Mai
- Der Wald wirft schwarze Sch...
- Mai
- Oneiros
Kommende Buchkritiken
Bernhard Schlink
Biographie
| Geboren | 06.07.1944 | Autor | Stefanie Rufle |
|---|
"Bernhard Schlink gehört zu den größten Begabungen der deutschen Gegenwartsliteratur. Er ist ein einfühlsamer, scharf beobachtender und überaus intelligenter Erzähler. Seine Prosa ist klar, präzise und von schöner Eleganz."
So urteilt Michael Kluger von der Frankfurter Neuen Presse über den genialen Erzähler, der mittlerweile einer der angesehensten deutschsprachigen Autoren genannt werden darf.
Geboren wurde Bernhard Schlink am 06. Juli 1944 in Bielefeld. Sein Vater war Theologe, diesen Weg wollte der junge Bernhard aber nicht einschlagen. Im Alter von nur acht Jahren schrieb er, nach einem Streit mit seinem Bruder, das Drama "Brudermord". Dann, mit dreizehn, entwarf er über seine erste unglückliche Liebesgeschichte ein Sonett mit vielen Strophen. Nach dem Abitur studierte Bernhard an der Universität Heidelberg und an der Freien Universität Berlin Jura. Er promovierte 1975 in Heidelberg und habilitierte sich 1981 in Freiburg im Breisgau. Dann begann er seine Lehrtätigkeit, zunächst von 1982 bis 1991 an der Universität Bonn, von 1991 bis 1992 an der Uni in Frankfurt am Main und ab 1992 dann an der Humboldt-Universität in Berlin. 1993 hatte Schlink eine Gastprofessur an der Yeshiva-University in New York. Seit 1988 ist er Richter des Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen. Er selber sagt, er sei Jurist, Richter und Professor "vielleicht weil die Wahrheit des Rechts ebenso in Worten und Sätzen liegt wie die Wahrheit von Geschichten, und weil die Dinge hier wie dort zu ihrem Ende gebracht werden müssen".
1987 schrieb Schlink während eines Feriensemesters in Aix-en-Provence, in Zusammenarbeit mit Walter Popp, seinen ersten Roman "SelbsJustiz". Der Protagonist, Gerhard Selb, ist ein etwa 70jähriger Staatsanwalt und Privatdetektiv mit brauner Vergangenheit. 1988 folgte "Die gordische Schleife", die 1989 mit dem "Glauser"-Autorenpreis deutsche Kriminalliteratur des SYNDIKATES ausgezeichnet wurde. Der Autor Bernhard Schlink war geboren, von dem Radio Freiburg sagte, er sei vielleicht der aufregendste Autor unserer Zeit. 1992 schrieb er "SelbsBetrug", mit dem die Reihe um Gerhard Selb eine Fortsetzung fand. Dieses Buch wurde 1993 mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichnet und unter dem Titel "Der Tod kam als Freund" verfilmt. Der Tagesspiegel nannte Schlinks Krimis "raffiniert gebaute Geschichten, in denen die politische Aktualität und die deutsche Vergangenheit präsent sind".
Der endgültige Durchbruch für den Schriftsteller kam 1995 mit "Der Vorleser", der erstmals außerhalb des Krimi-Genres angesiedelt war. Das Buch handelt von einem 15jährigen, der sich in eine 35jährige Frau verliebt, ohne zu ahnen, dass er es hier mit einer ehemaligen KZ-Aufseherin zu tun hat. Erst Jahre später, als sie in einem Auschwitz-Prozess wieder auftaucht, sieht er sie, inzwischen Jura-Student, wieder. "Der Vorleser" wurde von der Kritik als einer der Höhepunkte des Bücherherbstes 1995 gefeiert. Die Neue Zürcher Zeitung schrieb: "Die Erinnerung enthält die Möglichkeit, die Geschichte niederzuschreiben und sich auf diese Weise von ihr zu befreien. Dies zu tun stellt den einzigen denkbaren Ansatz eines Ausweges dar, die Möglichkeit, sich dem Thema Nationalsozialismus zu nähern: sich erinnern, darüber schreiben, darüber sprechen. Der Roman selbst tut dies auf eine beeindruckende Weise." "Der Vorleser" begründete Bernhard Schlinks schriftstellerischen Weltruhm und wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, u. a. dem Hans-Fallada-Preis der Stadt Münster (1997), dem italienischen Literaturpreis Grinzane Cavour (1997), dem Prix Laure Bataillon als bestdotiertem Preis für übersetzte Literatur (1997), dem erstmals verliehenen Welt-Literaturpreis (1999) und der Ehrengabe der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Gesellschaft. Außerdem erreichte "Der Vorleser" erstmals als deutsches Buch Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerlisten und wurde in 25 Sprachen übersetzt. 2009 wurde "Der Vorleser" unter der Regie von Stephen Daldry mit David Kross und Kate Winslet in den Hauptrollen verfilmt. Zu seiner Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus sagte der Autor:"Das Fundament der BRD ist gelegt und besiegelt im Vergessen. Erst jetzt können wir uns der Vergangenheit erinnern, ohne Angst haben zu müssen, es zu beschädigen."
Der "betörende Geschichtenerzähler" (Erich Demmer, Die Presse) schrieb weiter. "Ich schreibe aus demselben Grund, aus dem andere lesen: Man will nicht nur ein Leben leben." sagte er einmal. Es folgten 2000 der Erzählband "Liebesfluchten" und 2001 "SelbsMord", der Abschluss der Trilogie um Privatdetektiv Gerhard Selb. 2005 erschien der Essayband "Vergewisserungen" und 2006 der Roman "Die Heimkehr". Auf die Frage, warum er sich nicht ganz der Literatur widme, sagte er, dass die Liebe zu seinem Beruf überwiege. Außerdem fördere die reine Literatur-Existenz seiner Meinung nach eine Wertlosigkeit und Selbstverlorenheit, die den typisch deutschen Schriftsteller oft zum Nachteil auszeichne. Bernhard Schlink lebt in Berlin und New York. Gerne würde er in einem Haus auf einer Düne am Meer wohnen, morgens am Strand laufen und danach mit Blick auf das Meer schreiben, bis zum Abend. (s1009)
Bibliographie von Bernhard Schlink
- 1987: SelbsJustiz
- 1988: Die gordische Schleife
- 1992: SelbsBetrug
- 1995: Der Vorleser
- 2000: Liebesfluchten
- 2001: SelbsMord
- 2005: Vergewisserungen
- 2006: Die Heimkehr
- 2007: Vergangenheitsschuld. Beiträge zu einem deutschen Thema
- 2008: Das Wochenende
- 2010: Sommerlügen