Edgar Wallace †

Biographie

Geboren 01.04.1875 Gestorben am 10.02.1932 Autor Stefanie Rufle

Edgar Wallace gilt bis heute als einer der erfolgreichsten und meistgelesenen englischsprachigen Autoren. Er trug mit seinen Werken wesentlich zur Popularisierung von Kriminalgeschichten bei - in einer Zeit, in der man von den heute auf der ganzen Welt verbreiteten "Krimis" noch weit entfernt war. Dadurch wurde er zum berühmtesten englischen Krimischriftsteller, der eine wachsende Fangemeinde mit einer unglaublichen Anzahl von Büchern beglückte.

Geboren wurde er unter dem bürgerlichen Namen Richard Horatio Edgar Wallace am 01. April 1875 in Greenwich, London, als unehelicher Sohn eines Schauspielers. Für die damalige Zeit also ein Kind, das eigentlich kaum eine Chance hatte, es jemals zu etwas zu bringen. Im Alter von nur neun Tagen wurde er vom Lastträger George Freeman adoptiert und wuchs bei seinem neuen Vater in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Richard konnte keinen Schulabschluss erreichen und hielt sich mit Gelegenheitsjobs wie Milchhändler, Maurergehilfe und Zeitungsverkäufer über Wasser. Irgendwann begann der junge Mann dann, kleine Berichte für eine Zeitung zu schreiben. Offenbar mit Erfolg, denn es gelang ihm, sich zum Chefredakteur hochzuarbeiten. Eine Zeitlang war Richard als Korrespondent in Südafrika und berichtete von dort über den Burenkrieg. Zurück in London begann er, sich als freier Schriftsteller zu betätigen - er schrieb Lyrik, Sachbücher und Theaterstücke. In jener Zeit legte er sich das Pseudonym Edgar Wallace zu, das sich aus seinem richtigen Namen ableitete, und wagte sich erstmals an das Schreiben von Kriminalromanen. Schnell erkannte der neugeborene Autor seine Stärke in diesem Genre - ein Genre, das ihm bald schon Weltruhm einbringen sollte.

Im Jahr 1904 wurde Edgar Wallace erster Krimi "Die vier Gerechten" veröffentlicht und damit der Grundstein für eine beispiellose Karriere gelegt. Viele weitere Bücher folgten, wie etwa "Die Bande des Schreckens", "Die toten Augen von London", "Das Geheimnis der gelben Narzisssen", "Das Gasthaus an der Themse" oder "Der schwarze Abt". Schnell entwickelte Wallace ein immer wiederkehrendes Prinzip, nach dem er seine Bücher schrieb: Er arbeitete nach einer Art Baukastenprinzip, es offenbarte sich mehr und mehr ein gleichbleibendes Grundmuster. Gut und Böse waren immer auf den ersten Blick zu erkennen, die Polizei sorgte stets für Zucht und Ordnung, ein starker Mann beschützte eine schwache Frau und der Schurke erhielt immer seine gerechte Strafe. Mit diesen eher einfach gestrickten Krimis war der Autor unglaublich erfolgreich und galt bald schon als Vielschreiber. Er hatte weder die Zeit noch die Geduld, sein auf jeden Fall vorhandenes erzählerisches Talent voll auszuschöpfen. Seine Krimis hatten drei bis vier thematische Grundkonstellationen und stereotype Figuren wie den rasenden Reporter, den kauzigen Adligen und den treuherzigen Kleinkriminellen. Edgar Wallace kann durchaus als britisches Pendant zu den späteren "Jerry Cotton"-Groschenheften bezeichnet werden, doch der Erfolg gab ihm Recht. Er warf einen Krimi nach dem anderen auf den Markt, man musste ihn einfach zur Kenntnis nehmen, auch wenn seine literarischen Werke doch eher als trivial zu bezeichnen sind. Nicht die kriminalistische Arbeit und damit die Aufklärung der Verbrechen standen dabei im Vordergrund, sondern vielmehr die durch den Gruseleffekt ("thrill") erzeugte Spannung. So entstanden die "Thriller" nach Edgar Wallace-Manier, in denen zwar unzählige Tote vorkommen, aber brutale Gewalt- oder Blutszenen kaum eine Rolle spielen.

Da der erfolgreiche Autor ständig in Geldnöten war und zudem für eine große Familie zu sorgen hatte - er hatte insgesamt fünf Kinder - diktierte er seine Bücher quasi in die Druckerpresse. Da ihm seine Gläubiger stets auf den Fersen waren, hatte er ein mörderisches Arbeitspensum zu bewältigen und war immer auf der Suche nach neuen Geldquellen. So begann er, die Rechte an seinen Filmen für Filmproduktionen zu verkaufen. Schon zu Stummfilmzeiten galten seine Bücher als geeignete Vorlage - sie waren für das Medium leicht umzusetzen. Der erste Edgar Wallace-Film war "Der rote Kreis" (1929), der in Berlin gedreht wurde - der Meister persönlich besuchte dort das Drehteam. 1931 folgte dann die Umsetzung eines der berühmtesten Werke - "Der Zinker" - als Tonfilm, 1932 wurden "Der Hexer" und "Der Doppelgänger" verfilmt. Edgar Wallace, der mittlerweile durch seine unselige Spielleidenschaft hoch verschuldet war, ging 1932 nach Hollywood, um Drehbücher zu schreiben. Die Uraufführung seines Werkes "King Kong und die weiße Frau" (1933) erlebte der Autor allerdings nicht mehr - er starb am 10. Februar 1932 in Hollywood. Sein Sarg wurde per Schiff nach England gebracht und dort von unzähligen Fans empfangen.

Der wahre "Edgar Wallace-Boom" kam allerdings erst lange nach dem Tod des großen Meisters auf. Nach den Verfilmungen in den 30er Jahren gab es erstmal keine Edgar Wallace-Verfilmungen im deutschsprachigen Raum mehr. Erst Mitte der 50er Jahre, zwanzig Jahre nach dem Tod des Schriftstellers, entstanden bei Constantin-Filmverleih Pläne, eine deutsche Edgar Wallace-Reihe zu starten. Da fiktive Krimis aus Deutschland aber zu jener Zeit eher schlecht besucht waren, konnte zunächst keine Produktionsfirma für das Vorhaben gefunden werden. Erst die dänische Rialto-Film unter Produzent Preben Philipsen ging das Wagnis ein und produzierte 1959 "Der Frosch mit der Maske" für den deutschen Markt. Der Film wurde ein großer Überraschungserfolg und löste eine wahre Krimiwelle aus, die bis zum Untergang der Europäischen Filmindustrie Anfang der 70er Jahre anhalten sollte. Rialto war clever genug, rechtzeitig die Exklusivrechte fast aller Edgar Wallace-Romane zu erwerben. Namhafte deutsche Schauspieler wie Klaus Kinski, Gert Fröbe, Karin Dor, Joachim Fuchsberger, Eddi Arent, Siegfried Lowitz, Karin Baal, Gisela Uhlen und Klaus-Jürgen Wussow besetzten die Rollen von Bösewichten, Inspektoren, Opfern und zwielichtigen Gestalten. Dabei gab es immer wieder Szenen, die den typisch britischen Humor widerspiegelten und unweigerlich zur Erheiterung beitrugen. "Der rote Kreis" (1959), "Der Frosch mit der Maske" (1959) und "Die Bande des Schreckens" (1960) entstanden in Kopenhagen, alle anderen in Deutschland. Die ersten Filme waren noch ganz nah an der Buchvorlage des Schriftstellers, ab 1966 (inzwischen in Farbe) entstand immer mehr Distanz dazu. Es wurden eigene Drehbücher mit Motiven verschiedener Edgar Wallace-Romane geschrieben. Diese Filme trafen zwar mehr den Zeitgeist der späten 60er Jahre, es fehlte aber dramaturgisch, inhaltlich und inszenatorisch deutlich an Niveau. Ab 1969 wurde die Produktion gar von italienischen Billigfirmen übernommen, Rialto beteiligte sich nur noch mit einem Minimum an den Produktionskosten. Das Publikum blieb zunehmend fern, 1972 endete die Serie mit "Das Rätsel des silbernen Halbmonds". Die Edgar Wallace-Filme, 32 an der Zahl, zählen bis heute zur erfolgreichsten und längsten deutschen Tonfilmserie. 1995 versuchte Rialto-Film, noch einmal an diesen Boom anzuknüpfen und produzierte neue Filme für das Fernsehen. Diese hatten aber wenig mit den Romanen zu tun - die Zuschauerbeteiligung war nur gering. Auch Bryan Edgar Wallace, der Sohn des großen Krimiautors, versuchte sich übrigens als Thrillerautor und auch einige seiner Bücher wurden verfilmt.

Edgar Wallace aber, der neben Krimis auch Gedichte, Romane, Kurzgeschichten, Theaterstücke und Filmdrehbücher geschrieben hatte, wird den Krimiliebhabern unvergessen bleiben. Seine Kriminalgeschichten wurden insgesamt in 44 Sprachen übersetzt und mehr als 100 Millionen Mal verkauft. Fast 140 seiner 175 Werke wurden verfilmt, in über 25 Produktionen führte der Autor selber Regie. Edgar Wallace gehört weltweit zu den meistverfilmten Autoren, weshalb sich seine Fangemeinde nicht nur aus Lesern, sondern allein in Deutschland aus über 72 Millionen Kinogängern zusammensetzt. Ein Autor der Superlative, dessen Werke bis heute eine ungebrochene Faszination ausüben! (s0211)


Bibliographie von Edgar Wallace

  • 1898: The Mission That Failed (Gedichte)
  • 1900: War And Other Poems (Gedichte)
  • 1900: Writ In Barracks (Gedichte)
  • 1901: Unofficial Despatches (Kriegsberichte)
  • 1905: Smithy (Militärsatiren)
  • 1905: Die vier Gerechten
  • 1908: Der Safe mit dem Rätselschloss
  • 1908: The Council Of Justice
  • 1909: Ganz Europa zum Trotz
  • 1909: Smithy Abroad (Militärsatiren)
  • 1909: The Duke In The Suburbs
  • 1910: The Nine Bears
  • 1911: Sanders vom Strom
  • 1912: Private Selby
  • 1912: Die Eingeborenen vom Strom
  • 1913: Der Diamantenfluss
  • 1913: Die vierte Plage
  • 1913: Grey Timothy
  • 1914: Mr. Sorgenfrei
  • 1914: Famous Scottish Regiments
  • 1914: Field Marshal Sir John French
  • 1914: Heroes All: Gallant Deeds Of The War
  • 1914: The Standard History Of The War
  • 1915: Kitchener´s Army And The Territiorial Forces (Kriegsbericht)
  • 1915: 1925 - The Story Of A Fatal Place
  • 1915: Vol. 2 - 4 War Of The Nations (Hist. Sachbuch)
  • 1915: Smithy And The Hun
  • 1915: Kerry kauft London
  • 1915: Die Melodie des Todes
  • 1915: Bones in Afrika
  • 1915: Lieutenant Bones
  • 1916: Vol. 5 - 7 War Of The Nations (Hist. Sachbuch)
  • 1916: Die Schuld des Anderen
  • 1916: The Tomb Of T´Sin
  • 1917: Vol. 8 - 9 War Of The Nations (Hist. Sachbuch)
  • 1917: Die drei von Cordoba
  • 1917: Hüter des Friedens
  • 1917: Die gebogene Kerze
  • 1917: Das geheimnisvolle Haus
  • 1918: Tam Of The Scouts
  • 1918: Those Folk of Bulboro
  • 1918: Der Derbysieger
  • 1919: The Adventure of Heine
  • 1919: The Fighting Scouts
  • 1919: Käthe und ihre Zehn
  • 1919: Der Mann, der alles wusste
  • 1919: Der grüne Brand
  • 1920: Edgar Wallace: Das Geheimnis der gelben Narzissen
  • 1920: Die Todeskarte (Treffbube ist Trumpf)
  • 1921: Das Buch der Allmacht
  • 1921: Bones in London
  • 1921: The Law of the Four Just Men
  • 1922: Flying Fifty-five
  • 1922: Sanders der Königsmacher
  • 1922: Der Engel des Schreckens
  • 1922: Der rote Kreis
  • 1922: Richter Maxells Verbrechen
  • 1922: A.S. der Unsichtbare
  • 1923: The Books Of Bart
  • 1923: Lord wider Willen
  • 1923: Die Seele des Anderen
  • 1923: Das Geheimnis der Stecknadel
  • 1923: Edgar Wallace: Der grüne Bogenschütze
  • 1923: Die unheimlichen Briefe
  • 1923: Bones vom Strom
  • 1924: Die toten Augen von London
  • 1924: Der Doppelgänger
  • 1924: Das Gesicht im Dunkel
  • 1924: Zimmer 13
  • 1924: Der Unheimliche
  • 1924: Bei den drei Eichen
  • 1924: Bosambo
  • 1924: Educated Evans
  • 1925: Die blaue Hand
  • 1925: Töchter der Nacht
  • 1925: Edgar Wallace: Der Frosch mit der Maske
  • 1925: Der Unhold
  • 1925: Die drei Gerechten
  • 1925: Der Mann von Marokko
  • 1925: Edgar Wallace: Die seltsame Gräfin
  • 1925: Der sechste Sinn des Mr. Reeder
  • 1926: Verdammte Konkurrenz
  • 1926: Der Rächer
  • 1926: Edgar Wallace: Der schwarze Abt
  • 1926: Der jüngste Tag
  • 1926: Die Tür mit den sieben Schlössern
  • 1926: Der Joker (1926)
  • 1926: Die Millionengeschichte
  • 1926: Nach Norden Strolch
  • 1926: Penelope von der Polytania
  • 1926: Der viereckige Smaragd
  • 1926: Die Bande des Schreckens
  • 1926: Merry Ferrera spielt System
  • 1926: Die gelbe Schlange
  • 1926: Im Banne des Unheimlichen
  • 1926: Sanders
  • 1926: More Educated Evans
  • 1926: We Shall See!
  • 1926: Menschen (Autobiographie)
  • 1927: This England
  • 1927: Der Brigant
  • 1927: Good Evans
  • 1927: Der Preller
  • 1927: Louba, der Spieler
  • 1927: Großfuß
  • 1927: Gucumatz
  • 1927: Der Banknotenfälscher
  • 1927: Der Mann, der seinen Namen änderte
  • 1927: Der Hexer
  • 1927: Der Zinker
  • 1927: John Flack
  • 1927: Das Verrätertor
  • 1927: Geheimagent Nr. 6
  • 1928: Elegant Edward
  • 1928: Der Redner
  • 1928: Das Steckenpferd des alten Derrick
  • 1928: Der Dieb in der Nacht
  • 1928: Überfallkommando
  • 1928: Ein gerissener Kerl
  • 1928: Hands up
  • 1928: Am großen Strom
  • 1929: Neues vom Hexer
  • 1929: Edgar Wallace: Das silberne Dreieck
  • 1929: The Big Four (Kriminlakurzroman)
  • 1929: The Black
  • 1929: The Cat-Burglar
  • 1929: Circumstantial Evidence
  • 1929: Fighting Snub Reilly
  • 1929: Das Juwel aus Paris
  • 1929: Forty-Eight Short Stories
  • 1929: Die Abenteuerin
  • 1929: Mr. Reeder weiß Bescheid
  • 1929: Der sentimentale Mr. Simpson
  • 1929: The Lone House Mistery
  • 1929: Planetoid 127 (Kriminalkurzroman)
  • 1929: The Queen of Sheba´s Belt
  • 1929: The Ghost Of Down Hill
  • 1929: Der goldene Hades
  • 1929: Das Gasthaus an der Themse
  • 1929: Der unheimliche Mönch
  • 1929: Turfschwindel
  • 1929: Der Mann mit den zwei Gesichtern
  • 1930: The Hand of Power
  • 1930: Silinski - Master Criminal: Detective T.B.Smith
  • 1930: The Thief in the Night
  • 1930: The Iron Grip
  • 1930: Platz und Sieg
  • 1930: Der leuchtende Schlüssel
  • 1930: Die Gräfin von Ascot
  • 1930: Der Teufel von Tidal Basin
  • 1931: In den Tod geschickt
  • 1931: Feuer im Schloss
  • 1931: Der Teufelsmensch
  • 1931: Der Mann aus dem Carlton
  • 1932: Gangster in London
  • 1932: Sergeant Sir Peter
  • 1932: Der Mann im Hintergrund
  • 1933: Das indische Tuch
  • 1933: Lotterie des Todes
  • 1934: Der Teufelsmensch
  • 1934: Mr. J.G.Reeder Returns
  • 1934: The Woman From The East
  • 1935: The Mouthpiece (E.W. & R. Curtis)
  • 1935: Smoky Cell (R. Curtis, nach dem Filmscript)
  • 1936: Sanctuary Island (R. Curtis, nach dem Filmscript)
  • 1935: The Table (R. Curtis, nach dem Filmscript)