Javier Marías

Biographie

Geboren 20.09.1951 Autor Stefanie Rufle

„Ich lebe nicht für meine Literatur, das fände ich traurig.“ (Javier Marías)
Javier Marías – einer der wichtigsten Gegenwartsautoren, der mit seinem 1996 in Deutschland erschienen Roman „Mein Herz so weiß“ Weltruhm erlangte. Er wurde vom spanischen Autor Eduardo Mendoza als der beste spanische Schriftsteller unserer Zeit bezeichnet. Neben zahlreichen Preisen für Romane wie „Mein Herz so weiß“, „Der Gefühlsmensch“ oder „Morgen in der Schlacht denk an mich“, erhielt Marías 1997 den Nelly-Sachs Preis für sein Gesamtwerk und 2011 den Österreichischen Staatspreis für Europäische Kultur. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit ist Javier Marías Kolumnist und Übersetzer.

„Ich wollte nicht Schriftsteller werden, nicht einmal, als ich mit 19 meinen ersten Roman veröffentlichte. Ich liebte einfach das Schreiben, ohne weitere Absichten.“ (Javier Marías)
Javier Marías Franco kam am 20. September 1951 als viertes von fünf Kindern in Madrid zur Welt. Seine Mutter Dolores Franco Manera war Lehrerin, der Vater, Julían Marías Aguilera war Philosoph und Anhänger der republikanischen Politik, weshalb er vom Franco-Regime verfolgt und zeitweilig inhaftiert wurde. Als er wegen seiner politischen Gesinnung mit einem Berufsverbot belegt wurde, zog er mit seiner Familie in die USA. Dort lehrte er an Universitäten wie Yale oder dem Wellesley College und lebte mit seiner Familie zeitweise im Haus des spanischen Schriftstellers Jorge Guillén. 1959 kehrte die Familie nach Madrid zurück, wo Javier die liberale Schule Colegio Estudio besuchte. Bereits mit elf Jahren begann er, Geschichten zu schreiben und mit fünfzehn stellte er seinen ersten Roman „La víspera“ fertig, der allerdings nie veröffentlicht wurde. Von 1968 bis 1973 studierte er Literatur und Philosophie an der Universität Complutense Madrid und schloss mit dem Staatsexamen ab. Während des Studiums gehörte der junge Mann einer kommunistischen Gruppierung an, von der er sich später, seine politische Unabhängigkeit betonend, wieder distanzierte. Nach dem Studium verdiente er sein Geld mit Übersetzungen und mit Kurzauftritten in Filmen seines Onkels, des Regisseurs Jesús Franco. 1968 wurde in einer Zeitung Marías’ erste Kurzgeschichte abgedruckt und 1969 schrieb er in Paris seinen zweiten Roman „Die Jagdgründe des Wolfes“. 1972 schloss er sich dem Autorenkreis des Schriftstellers Juan Benet an und 1974 zog er nach Barcelona, wo er im Verlagshaus Alfaguara arbeitete. Als 1978 seine Mutter starb, ging Javier zurück nach Madrid, um bei seinem Vater zu sein und machte, neben dem Schreiben von eigenen Romanen und Erzählungen, Übersetzungen vor allem aus dem Englischen. 1979 erhielt er für seine Übersetzung von „Tristram Shandy“ von Laurence Sterne den Preis Premio Nacional de Traducción. Über das Übersetzen sagt Marías:
„Übersetzen ist die beste Schule für einen Autor, noch besser als Lektüre, eine privilegierte Art des Lesens und Schreibens. (…) Das Wunderbare daran ist mit der Interpretation von Musikstücken vergleichbar. Das Original ist unverändert, aber eine Sonate klingt unterschiedlich, wenn sie von Gould oder Horowitz gespielt wird. Man muss beim Übersetzen seinen eigenen Stil aufgeben.“

1983 ging Javier Marías nach Oxford, wo er Unterricht in spanischer Literatur und Übersetzung erteilte. 1984 unterrichtete er, wie schon sein Vater, am Wellesey College in Boston und 1986 lebte und unterrichtete er dann für eine Weile in Venedig. Seit 1987 lebt der Autor wieder in Madrid, wo er an der Universität Complutense Madrid unterrichtet. Er engagiert sich im Parlamento Internacional de Escritore für in Not geratene Intellektuelle und Schriftstellerkollegen und ist überzeugter Anhänger von Real Madrid. Über sein Selbstverständnis als Spanier sagt Marías:
„Ich schreibe auf Spanisch und lebe die meiste Zeit in Spanien. Zugleich fühle ich mich als europäischer Schriftsteller. Jedenfalls bin ich kein hauptberuflicher Spanier.“ (s0112)


Bibliographie von Javier Marías

  • 1971: Die Jagdgründe des Wolfes
  • 1978: Der Monarch der Zeit
  • 1991: Alle Seelen
  • 1992: Der Gefühlsmensch
  • 1996: Mein Herz so weiß
  • 1997: Erwachte ich noch einmal
  • 1998: Morgen in der Schlacht denk an mich
  • 1999: Während die Frauen schlafen
  • 1999: Als ich sterblich war
  • 2000: Schlechte Art
  • 2000: Schwarzer Rücken der Zeit
  • 2000: Seit ich Dich sterben sah
  • 2001: Geschriebenes Leben
  • 2001: Ansichten
  • 2002: Die Reise über den Horizont
  • 2002: Der Monarch der Zeit
  • 2002: Das Jahrhundert
  • 2004: Dein Gesicht morgen. Bd.1: Fieber und Lanze
  • 2006: Dein Gesicht morgen. Bd.2: Tanz und Traum
  • 2006: Cuando fui mortal y otros relatos
  • 2009: Dein Gesicht morgen. Bd.3: Gift und Schatten und Abschied
  • 2011: Komm' mich suchen
  • 2012: Die sterblich Verliebten