Ake Edwardson

Biographie

Geboren 1953 Autor Stefanie Rufle

“Wenn man Bücher über Kriminelle und Gewalt schreibt, muss unbedingt ein großer Anteil Menschlichkeit mitschwingen.“ (Åke Edwardson)
Åke Edwardson gehört heute zu den erfolgreichsten schwedischen Krimiautoren, er war neben Henning Mankell einer der ersten skandinavischen Autoren, die sich bei den deutschen Lesern einen Namen machten. Sein Ermittler Kommissar Erik Winter, der im industriellen Göteborg lebt, bildet dabei einen angenehmen Kontrast zu den oftmals finsteren Protagonisten der skandinavischen Kriminalliteratur wie etwa Mankells Wallander.

Åke Edwardson wurde 1953 in Südschweden geboren und arbeitete mehr als zwanzig Jahre lang als Journalist im Auftrag der UNO im Nahen und Mittleren Osten sowie auf Zypern. Als freier Journalist war er auch in anderen Erdteilen unterwegs, wobei seine Fachgebiete zwischen Sport, Reisen, Literatur und Außenpolitik variierten. Er war Mitverfasser zweier Fachbücher und unterrichtete an der Universität Göteborg Creative Writing. Åke Edwardsons erster Versuch, einen Kriminalroman zu schreiben, scheiterte an den üblichen Hürden – er fand keinen Verlag. Dummerweise war wohl Henning Mankells Erfolg mit dessen Ermittler Wallander komplett an Edwardson vorbeigegangen, denn der Kommissar in seinem ersten Roman hieß Mallander und hatte ebenfalls eher düstere Wesenszüge. Aus diesem Grund musste er seinen Krimi komplett umschreiben, ehe ein Verlag bereit war, ihn anzunehmen. Das war die Geburtsstunde von Kommissar Erik Winter.

“Die Leser sollen das Mitgefühl für die Opfer spüren. Sonst sind Krimis leere, platte Unterhaltung. Und sie müssen fühlen, dass sich die Geschichte tatsächlich so ereignet haben könnte.“ (Åke Edwardson)
Erik Winter ist ein Schöngeist, der Designer-Anzüge trägt, Zigarillos raucht und die Jazzmusik Cotranes liebt. Doch obwohl er eher ein Snob ist, sieht er durchaus, woran die schwedische Gesellschaft krankt, und genau das prangert er immer wieder an. Im Verlauf der insgesamt zehn Fälle wird mehr und mehr deutlich, dass er sich im Kampf gegen den Moral- und Werteverfall an vorderster Front sieht. Gerade dieses Grübeln des Protagonisten ist es, das die für skandinavische Krimis so gut bekannte Melancholie beim Leser erzeugt. Im Laufe der Jahre gewinnt Winter deutlich an Facetten hinzu, was ihm zunehmend Sympathie bei der Leserschaft einbringt.

“Ich bewege mich in meinen Büchern in so kleinen Schritten wie möglich vorwärts, bis ich mich dem Kern des Ganzen nähere.“ (Åke Edwardson)
Es ist vor allem die klare und schnörkellose Sprache, die die Krimis von Åke Edwardson so besonders macht. Er nimmt mit großem psychologischem Gespür radikal die Perspektive seiner Figuren ein, was die besondere Authentizität seiner Romane ausmacht. Er ist es durch seine frühere Tätigkeit als Journalist gewohnt, sehr genau zu recherchieren und tauscht sich unter anderem regelmäßig mit einem Freund aus, der in einem Polizeipräsidium arbeitet. Mit ihm diskutiert er häufig über Verbrechen, Täter und die Polizeiarbeit. Edwardson, dessen Krimis sich auf einem hohen Niveau bewegen, erklärte, dass nach zehn Fällen endgültig Schluss sein sollte mit Kommissar Erik Winter. „Der letzte Winter“ solle zudem auch sein letzter Kriminalroman überhaupt sein.

Åke Edwardson, der mit seiner Frau und den zwei Töchtern in einem kleinen Haus in Göteborg lebt, kocht in seiner Freizeit sehr gerne – etwas, das er mit seiner Figur Erik Winter gemeinsam hat. Seine Bücher schreibt er in einem ehemaligen Seuchen-Krankenhaus, der „Kunst-Epidemie“, die sich in einem anderen Stadtteil Göteborgs befindet. Man darf gespannt sein, welchem Genre sich dieser großartige Autor nun zuwenden will. Mit „Samuraisommer“ und „Drachenmonat“ hat er ja bereits eindrücklich unter Beweis gestellt, dass er es auch im Jugendbuchbereich versteht, seine Leser zu fesseln. (s1010)


Bibliographie von Ake Edwardson