Leon de Winter

Biographie

Geboren 1954 Autor Stefanie Rufle

„Ich stelle mir das Schlimmste vor, und dann mache ich daraus ein Ritual, das Ritual des Schreibens, um das zu kontrollieren und die Wirklichkeit zu schützen.“ (Leon de Winter)

Leon de Winter wurde 1954 als Sohn niederländischer Juden in ´s-Hertogenbosch geboren. Seine Eltern hatten den Krieg und die Verfolgung durch die Nazis nur deshalb überlebt, weil sie von katholischen Priestern und Nonnen versteckt worden waren. Viele Mitglieder von Leons Familie hatten hingegen weniger Glück und wurden im KZ ermordet. Als Reaktion auf den frühen Tod seines Vaters begann Leon schon mit zwölf Jahren zu schreiben. Nach der Schule machte er eine Ausbildung bei der Bavaria-Film in München und begann anschließend ein Studium an der Filmakademie in Amsterdam, das er aber nicht beendete. Seit 1976 arbeitet de Winter als freier Schriftsteller und Filmemacher in Holland und den USA. Im Alter von 24 Jahren veröffentlichte er seinen ersten Roman „Die Bildung des jüngeren Dürer“.

“Leon de Winter ist mittlerweile zum Kultautor avanciert.“ (Hans Christian Kosler / Neue Zürcher Zeitung)

Leon de Winter gehört zu den erfolgreichsten Schriftstellern der Nachkriegsgeneration und hat sich darüber hinaus auch als Filmemacher, Drehbuchautor und Produzent einen Namen gemacht. Seine Romane erzielen nicht nur in den Niederlanden überwältigende Erfolge, mit dem 1990 erschienen „Hoffmans Hunger“ feierte er auch international seinen Durchbruch. Sein Talent als Filmemacher macht sich auch in de Winters Romanen bemerkbar. Er beweist ein gutes Gespür für Plots und Settings, erschafft lebendige und vielschichtige Figuren, ist ein wahrer Meister der Dialoge und hat offensichtlich keine Angst vor großen Gefühlen. 1999 gründete er die Filmproduktionsfirma Pleswin, deren Ziel es vor allem ist, europäische Stoffe für den amerikanischen Markt attraktiv zu machen. Im Jahr 2000 entstand unter der Regie von Sönke Wortmann der Film „The Hollywood Sign“ („Der Himmel über Hollywood“) nach de Winters gleichnamigem Roman und 2003 verfilmte er „SuperTex“. Bisher wurden sechs von Leon de Winters Romanen verfilmt. Doch obwohl die Filmkunst einen sehr starken Hintergrund bildet, ist de Winter doch vor allem als Romanautor bekannt.

“Nur wenige Autoren verstehen es wie er, die großen alten Themen Schuld und Schicksal, Glaube und Angst so unterhaltsam zu reflektieren. Und so anspruchsvoll.“ (Günter Keil / Süddeutsche Zeitung, München)

Leon de Winters Romane weisen teilweise stark autobiographische Züge auf. Seine Hauptfiguren sind zumeist Ich-Erzähler, immer männlich und jüdischer Herkunft und sehr oft Niederländer. Sie setzen sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit ihrem Judentum auseinander – das Thema der jüdischen Identität spielt zunehmend eine Rolle in de Winters Romanen. Der Autor, der für seine islamkritischen und pro-israelischen Standpunkte bekannt ist, führt zeitweise einen Blog mit Namen „The Free West“, in dem er seine politische Meinung darstellt. Auch in Essays und Zeitungsartikeln äußert sich de Winter regelmäßig zu politischen Themen. Die Vater-Sohn-Beziehung ist häufig Thema in seinen Romanen, so auch in seinem 2009 erschienen Werk „Das Recht auf Rückkehr“. 2002 erhielt der Autor den WELT-Literaturpreis für sein Gesamtwerk, 2005 war er Gastdozent an der Berkeley-University in San Francisco und 2006 wurde er mit der Buber-Rosenzweig-Medaille des Deutschen Koordinierungsrats für sein Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus ausgezeichnet. Leon de Winter, der auch Theaterstücke, Reportagen und Erzählungen schreibt, lebt mit seiner Frau, der Schriftstellerin Jessica Durlacher und den gemeinsamen Kindern in Amsterdam und Los Angeles. (s0809)


Bibliographie von Leon de Winter