Alexander Wolkow †

Biographie

Geboren 1891 Gestorben am 03.07.1977 Autor Karolin Kullmann

So vielen Kinder ist „Der Zauberer von Oz“ von L. Frank Baum ein Begriff. Was dieses Märchen für den amerikanischen Kontinent war, war Alexander Wolkows „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ für Russland und die DDR. Mit diesem Kinderbuch wurde der russische Schriftsteller bekannt.

Geboren wurde Alexander Melentjewitsch Wolkow 1891 in Ust-Kamenogorsk – einem abgelegenen Städtchen im Ural. Mit 4 Jahren brachte ihm sein Vater das Lesen bei und zwei Jahre später wurde der überaus begabte Junge in die zweite Klasse eingeschult. Schon früh interessierte er sich für Literatur – er las viel in seiner Kinder- und Jugendzeit, unter anderem Werke von Charles Dickens und Jules Verne. So wurde schon zeitig der Wunsch in ihm wach, Schriftsteller zu werden. Doch der Weg, den er zunächst einschlug, sah rationaler aus. Nachdem er die Schule mit 12 Jahren als einer der Besten seines Jahrgangs abgeschlossen hatte, betrat er sie einige Jahre später wieder - als Lehrer für Mathematik. Danach diente Wolkow im ersten Weltkrieg und entschloss sich nach seiner Rückkehr, zu studieren. Er bestand die Aufnahmeprüfungen für ein Hochschulstudium am pädagogischen Institut in Jaroslaw. Anschließend absolvierte er ein Studium an der mathematischen Fakultät in Moskau. Nach seinem Abschluss lehrte er zunächst viele Jahre Mathematik in der Hauptstadt Russlands. Und genau da trat die Wende im Leben von Alexander Wolkow ein – er fing an, sich mit Fremdsprachen zu beschäftigen. Autodidaktisch erlernte er Deutsch und Französisch. Auch mit dem Englischen befasste sich das Multitalent, erprobte seine sprachlichen Fähigkeiten an Übersetzungen. Dass er dabei für ein Praktikum auch „Der Zauberer von Oz“ bearbeitete und großen Gefallen an dem Märchen fand, sollte genau das Ereignis sein, das ihn später als Schriftsteller so bekannt machte. Zunächst erzählte er die Geschichte von Dorothy und ihrem Hündchen, die Wolkow so liebgewonnen hatte, seinen Söhnen. So wurden nach und nach immer weitere Veränderungen vorgenommen. Schließlich wurde aus der Protagonistin das Mädchen Elli, ihr Hündchen lernte sprechen und der Zauberer von Oz wurde zu Goodwin, dem Großen und Schrecklichen. Aus der Übersetzung von Baums Geschichte wurde auf diese Art und Weise schnell eine freie Nacherzählung – Wolkows erstes Kinderbuch „Der Zauberer der Smaragdenstadt“. Erstmalig 1939 verlegt, geriet das Märchen im Zweiten Weltkrieg schnell wieder in Vergessenheit. Doch Ende der 50er Jahre, mit neuen Illustrationen von Leonid Wladimirski, erlangte die Geschichte schnell neue Bekanntheit. Wolkow erhielt tausende Zuschriften von Kindern, die immer die gleiche Bitte vortrugen – den Wunsch nach einer Fortsetzung. So entstanden nach und nach fünf weitere Bände dieser wundervollen Reihe, die sich in den Staaten des Ostblocks und in der DDR großer Beliebtheit erfreuten und immer wieder neu aufgelegt wurden. Doch die Zauberlandreihe war nicht Wolkows einzige Schöpfung – er wurde in Russland auch bekannt als Autor von historischen Romanen für Kinder, von denen allerdings keine deutschen Übersetzungen existieren. Außerdem fertigte er weiterhin Übersetzungen an, so zum Beispiel in den vierziger Jahren von einigen Werken Jules Vernes.

Auch heute noch ist Alexander Wolkow nicht in Vergessenheit geraten: Die Märchen um die Smaragdenstadt und den Weisen Scheuch sind weiterhin begehrte Kinderbücher. Am 3. Juli 1977 verstarb der russische Autor in Moskau und obwohl er 1975 den letzten Band seiner Zauberlandreihe verfasst hatte, ist sie heute auf 18 Teile angewachsen. 1993 setzten andere Autoren die Reihe fort und machten sie zu dem imposanten Werk, das sie heute ist. Doch Alexander Wolkow wird immer der Begründer der Geschichte um Elli und ihr Hündchen Totoschka bleiben, die so viele Abenteuer in diesem magischen Land erlebten, in dem Tiere sprechen können und immer Sommer ist. (ka0908)


Bibliographie von Alexander Wolkow