Oliver Bottini

Biographie

Geboren 1965 Autor Stefanie Rufle

"Seit ich vierzehn war, war Schriftsteller mein Traumberuf, jetzt bin ich es - was will ich mehr?"

Mit seinem Erstlingswerk „Mord im Zeichen des Zen“ konnte Oliver Bottini einen Überraschungserfolg landen und Krimifans durften frohlockend feststellen, dass es durchaus noch deutsche Autoren gibt, die sich mit ihren Werken wohltuend vom amerikanischen Krimi-Einerlei abheben. Im Mittelpunkt von Bottinis Kriminalromanen steht die Ermittlerin Louise Boní, eine durch und durch von Problemen belastete und alkoholabhängige Protagonistin. Dem brillanten Autor gelingt das Kunststück, als Mann die Psyche einer zutiefst verwundeten Frau zu beschreiben – und das voller Feingefühl und Ehrlichkeit. Über seine Hauptfigur sagt Bottini:
"Ich wollte einfach eine Figur mit Tiefe, Widersprüchen, Schwächen, Stärken, die ihre Konflikte erkennt und sich mit ihnen auseinandersetzt. Nur solche Figuren interessieren mich als Autor, also Figuren, die ähnlich wie reale Menschen nicht eindimensional sind, sondern ihre Ecken, Kanten und vielleicht auch Abgründe haben."

Der 1965 in Nürnberg geborene Bottini studierte in München Neuere deutsche Literatur, Italianistik und Markt- und Werbepsychologie. Seit vielen Jahren widmet er sich dem Studium des Buddhismus und praktiziert Kung Fu und Qi Gong. Zum Thema Buddhismus existieren bereits mehrere Publikationen Bottinis. Für seine Kriminalromane „Mord im Zeichen des Zen“ und „Im Sommer der Mörder“ erhielt Oliver Bottini jeweils den Deutschen Krimi Preis, beide Bücher standen monatelang auf den Krimi Welt-Bestenliste. 2007 folgte die Nominierung für den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte „Roman“. Doch auf die Tatsache angesprochen, dass er mittlerweile zu den führenden deutschen Krimi-Autoren zählt, reagiert Bottini eher bescheiden:
"Natürlich schmeichelt es mir, wenn ich so etwas höre oder lese, und es stärkt gewiss auch meine Motivation. Aber wer welche Autoren wie einschätzt, das ist ja höchst subjektiv. So gibt es sicherlich allein für die Journalisten insgesamt Dutzende "führende deutsche Krimi-Autoren". Und für alle ist ja auch Platz."


Bottini sagt, er habe großen Respekt vor Menschen, die sich ihren Abgründen stellen, die sich nicht nur an der Oberfläche bewegen – ein solcher Mensch ist seine Hauptfigur Louise Boní. Sie war für ihn von Anfang an ein Gegenpart zu den vielen männlichen Helden in Krimis – ein weiterer Mann wäre seiner Meinung nach wenig originell gewesen. Der Autor ist außerdem der Meinung, die Dinge, die er über die Gesellschaft sagen möchte, besser aus der Sicht einer Frau sagen zu können. Er wollte so den herkömmlichen (eben leider nur allzu oft männlichen) Blick durch den einer nachdenklichen, kämpferischen, manchmal orientierungslosen aber sehr starken Frau erweitern. Gerade auch die Beschäftigung mit der Geschlechterproblematik, wie sie in „Mord im Zeichen des Zen“ ganz deutlich wird, ist Bottini ein großes Anliegen. Über den Zusammenhang der Geschehnisse in seinen Romanen mit seinem eigenen Leben sagt der Autor:
"Und so, wie in meine Romane immer wieder in gewisser Hinsicht Dinge einfließen, die in meinem Leben vorkamen, ist es auch umgekehrt. Manchmal passiert in einem meiner Romane etwas, das später dann auch in meinem Leben passiert. Wie und warum auch immer!"

Man darf also gespannt sein, wie es mit Louise Boní weitergeht. Nach seinem fünften Krimi "Das verborgene Netz" möchte der in Berlin lebende Oliver Bottini erst einmal eine "Louise-Pause" einlegen, sein nächster Roman wird ohne die eigenwillige Hauptkommissarin auskommen müssen. Der im DuMont-Verlag erschienene Roman "Der kalte Traum" setzt sich aus deutscher Perspektive mit den Jugoslawienkriegen von 1991 bis 1995 auseinander und spielt in Rottweil, Berlin und Zagreb.(s0312)


Bibliographie von Oliver Bottini