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Kommende Buchkritiken
Agatha Christie †
Biographie
| Geboren | 15.09.1890 | Gestorben am | 12.01.1976 | Autor | Stefanie Rufle |
|---|
"Agatha Christie appelliert an die menschliche Neugier in uns allen."
So brachte Margery Allingham die Faszination, die die legendäre Kriminalautorin bis heute auf ihre Leserinnen und Leser ausübt, treffend auf den Punkt. Die Britin, von der üblicherweise behauptet wird, Mord sei ihr Metier gewesen, schrieb über 80 Kriminalromane und erschuf die berühmten Detektive Hercule Poirot und Miss Marple. Agatha Christie zählt bis heute zu den ganz großen Autoren in der Kriminalliteratur, ihre Romane finden unvermindert großen Absatz und es gibt wohl kaum jemanden, für den die schrullige und scharfsinnige Miss Marple kein Begriff ist.
Geboren wurde die Autorin am 15. September 1890 als Agatha Mary Clarissa Miller als jüngstes von drei Kindern einer gutsituierten Familie der Mittelklasse. Der Vater war Amerikaner, doch es war ganz eindeutig die Mutter, die in der Familie das Sagen hatte. Diese kümmerte sich allerdings wenig um ihre Kinder und Agatha wuchs, wie damals üblich, hauptsächlich in der Obhut eines Kindermädchens auf. Mit fünf Jahren brachte sie sich selber das Lesen bei und las von da an nach eigener Aussage alles, was ihr in die Finger kam. Der Besuch einer Schule kam aber für das Mädchen aus gesellschaftlichen Gründen nicht in Frage. Agatha war sehr intelligent, sie schrieb Gedichte und kurze Geschichten und wurde wohl eher unkonventionell erzogen. Als sie elf Jahre alt war, starb der Vater, was sie später selber als das Ende ihrer Kindheit bezeichnete. Fast das gesamte Vermögen der Millers war aufgebraucht und von nun an besuchte Agatha mehrere Mädchenpensionate, u. a. in Paris. Eigentlich wollte sie furchtbar gerne zur Oper gehen, musste dann aber einsehen, dass ihre Stimme dafür nicht kräftig genug war. Während sie sich von einer Grippe erholte, machte ihre Mutter ihr den Vorschlag, eine Geschichte zu schreiben. So entstand "The house of beauty", eine phantasievolle Geschichte über Traumvorstellungen und Okkultismus. Die junge Frau schrieb weitere Kurzgeschichten und dann ihren ersten Roman "Snow upon the desert", der von mehreren Verlegern abgelehnt wurde.
Währenddessen war Agathas Mutter eifrig bemüht, ihre Tochter "an den Mann zu bringen". Es dauerte allerdings eine ganze Weile, bis die junge Frau mit einem Kandidaten zufrieden war. 1912 schließlich lernte sie Archibald Christie, einen Flieger des Königlichen Fliegercorps kennen. Gegen den Willen von Agathas Mutter heirateten die beiden während eines Heimaturlaubs Archies am 25. Dezember 1914. Doch schon bald musste der frischgebackene Ehemann wieder an die Front zurück und Agatha arbeitete als Stationshilfe im Feldlazarett. Hier und später als Apothekerassistentin lernte die junge Frau so manche interessanten Dinge über die verschiedenen Gifte und deren Anwendung - Informationen, die sie später in ihren Kriminalromanen sehr gut verwenden konnte. Während dieser Zeit schrieb Agatha ihren ersten Kriminalroman "Das fehlende Glied in der Kette". Sie wollte einen möglichst exotischen Detektiv und so schuf sie den Belgier Hercule Poirot, der blitzgescheit ist, doch durch sein Äußeres von vielen unterschätzt wird. Seine Methode der Verbrechensaufklärung basiert weniger auf Spurensuche am Tatort oder wilden Verfolgungsjagden, sondern vielmehr auf der Liebe zum Detail und logischem Denken - wer sich mit ihm anlegen will, bekommt es mit seinen kleinen grauen Zellen zu tun. "Das fehlende Glied in der Kette" ging an mehrere Verlage und landete 1917 auf dem Schreibtisch von John Lane von "The Bodley Head". Dort lag der Roman erstmal eine ganze Weile und Agatha vergaß ihn schießlich gänzlich. Endlich kehrte Archibald aus dem Krieg heim und kurze Zeit später wurde Töchterchen Rosalind geboren. 1919 dann wurde Agatha von John Lane zu einem Gespräch wegen des fast schon vergessenen Krimis eingeladen. Nachdem sie das letzte Kapitel umgeschrieben hatte, wurde "Das fehlende Glied in der Kette" 1920 in Amerika und 1921 in England veröffentlicht.
Jetzt war Agatha also Krimiautorin und in ihrem zweiten Roman "Ein gefährlicher Gegner", der 1922 erschien, tauchte erstmals das Ehepaar Tommy und Tuppence Beresford auf, das sich durch besondere detektivische Fähigkeiten auszeichnete. 1922 durfte die Autorin ihren Mann auf einer Reise durch das damalige Britische Empire begleiten, die ein Jahr dauern sollte. Agatha war fasziniert von den fremden, exotischen Ländern und viele ihrer späteren Krimis spielten dort. Von nun an schrieb die Schriftstellerin jedes Jahr einen Roman, der mit dem immergleichen Slogan "A Christie for Christmas" erschien. Allerdings veränderte sich das Verhältnis zu ihrem Verleger allmählich, möglicherweise fühlte Agatha sich von ihm ausgenutzt. So suchte sie sich einen Agenten und fand in Edmund Cork einen guten Freund und Berater, mit dessen Hilfe sie einen neuen Verlag fand: 1926 wechselte die Christie zum Collins Verlag. In diesem Jahr sah sich Agatha mit einer persönlichen Krise konfrontiert, mit der sie fast nicht fertig wurde. Nur wenige Monate nach dem Tod ihrer Mutter fand sie heraus, dass ihr Mann Archie in eine andere Frau verliebt war und sie verlassen wollte. Agatha verschwand für zehn Tage spurlos, ein "Fall" nationalen Interesses. Man fand die Autorin schließlich in einem Hotel, wo sie unter falschem Namen abgestiegen war. Die Schriftstellerin, der ihr Privatleben heilig war und die selten Interviews gab, redete weder damals noch später in ihrer Autobiographie über diese Geschichte. Allerdings sahen viele andere sich bemüßigt, Vermutungen anzustellen und Gwen Robyns schrieb gar einen Roman über die Angelegenheit, der dann sogar noch unnötigerweise mit Timothy Dalton und Vanessa Redgrave verfilmt wurde.
Die Christie sah sich außerstande zu schreiben und so kam zu der emotionalen Verletzung auch noch eine finanzielle Krise. 1930 dann veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Mary Westmacott einen Roman, der zum ersten Mal kein Krimi war. Im selben Jahr erschuf die Autorin die legendäre Miss Marple, eine scheinbar harmlose alte Jungfer, die ihre Mitmenschen ganz genau beobachtet und durch ihre Menschenkenntnis der Polizei immer um eine Nasenlänge voraus ist. Agatha ging es nun finanziell wieder etwas besser und sie kaufte sich ein Haus im Londoner Stadtteil Chelsea. Als sie nach Ur reiste, um ein befreundetes Archäologenpaar zu besuchen, lernte sie den jungen Archäologen Max Mallowan kennen. Die beiden kamen sich näher und der fünfzehn Jahre jüngere Mann machte Agatha schießlich einen Heiratsantrag. Nach einigem Zögern, wohl vor allem aufgrund des großen Altersunterschieds, willigte sie dann doch ein. Schon 1940 schrieb sie mit "Vorhang" Hercule Poirots letzten Fall und auch "Ruhe unsanft" entstand schon in diesem Jahr. Diese beiden Romane sollten aber eine Art "stille Reserve" sein und erschienen auch erst in den Jahren 1975 und 1976.
Viele ihrer Romane wurden verfilmt, allerdings liebte die Autorin dieses Medium nicht sonderlich. Das Theater lag ihr mehr am Herzen, zahlreiche ihrer Romane schrieb sie für das Theater um. Den Weltrekord hält ihr Stück "Die Mausefalle" ("The Mousetrap"), das 1952 in London uraufgeführt wurde und bis im Jahr 2000 20.000 Vorstellungen verbuchen konnte. Von den vier Miss Marple-Verfilmungen mit Margaret Rutherford war die Christie zunächst nur enttäuscht, später aber gar entsetzt. Bei "Der Wachsblumenstrauß" und "Vier Frauen und ein Mord" wurde Poirot einfach durch Miss Marple ersetzt und "Mörder ahoi!" hatte gar keinen ihrer Romane zur Vorlage. 1970 erschien anlässlich des 80. Geburtstags der Autorin ihr 80. Roman "Passengers to Frankfurt" und 1971 erhielt sie von Queen Elizabeth den Titel "Dame Commander of the British Empire". 1973 schrieb die Christie ihren letzten Roman "Alter schützt vor Scharfsinn nicht" und erlitt im selben Jahr einen Schlaganfall, der es ihr von nun an unmöglich machte, zu schreiben. Am 12. Januar 1976 starb Agatha Christie in ihrem Haus in Winterbrock bei Oxford und liegt heute auf dem Friedhof von Cholsey begraben. 1977 erschien ihre Autobiographie "Meine gute alte Zeit". Über die Autorin, deren Bücher etwa 1 Milliarde mal in Englisch und eine weitere Milliarde mal in 44 anderen Sprachen erschienen sind, sagte Clement Attlee:
"Ich bewundere und schätze Agatha Christies Fähigkeit, ein Geheimnis so lange zu bewahren, bis sie es enthüllen will. Und ich bewundere ebenso sehr eine andere ihrer Eigenschaften, die nicht allen Schreibern von Detektivromanen zueigen ist, ihre Fähigkeit, eine klare und einfache englische Sprache zu schreiben." (s1009)
Bibliographie von Agatha Christie
- 1920: Das fehlende Glied in der Kette
- 1922: Ein gefährlicher Gegner
- 1923: Mord auf dem Golfplatz
- 1924: The Road of Dreams
- 1924: Der Mann im braunen Anzug
- 1924: Hercule Poirot rechnet ab
- 1925: Die Memoiren des Grafen
- 1926: Alibi
- 1927: Die großen Vier
- 1928: Der blaue Express
- 1929: Der letzte Joker
- 1929: Die Büchse der Pandora
- 1930: Singendes Glas (als Mary Westmacott)
- 1930: Der seltsame Mr. Quin
- 1930: Mord im Pfarrhaus
- 1931: Das Geheimnis von Sittaford
- 1931: Die letzte Fahrt des Admirals (Gemeinschaftsarbeit mit anderen Krimiautoren)
- 1932: Das Haus an der Düne
- 1932: Der Dienstagabend-Club
- 1933: Dreizehn bei Tisch
- 1934: Ein Schritt ins Leere
- 1934: Das unvollendete Porträt (als Mary Westmacott)
- 1934: Mord im Orientexpress
- 1934: Villa Nachtigall
- 1935: Nikotin
- 1935: Tod in den Wolken
- 1936: Die Morde des Herrn ABC
- 1936: Mord in Mesopotamien
- 1936: Mit offenen Karten
- 1937: Der Tod auf dem Nil
- 1937: Der ballspielende Hund
- 1937: Auch Pünktlichkeit kann töten
- 1937: Hercule Poirot schläft nie
- 1938: Der Tod wartet
- 1938: Hercule Poirot´s Weihnachten
- 1939: Das Sterben in Wychwood
- 1939: Zehn kleine Negerlein
- 1940: Morphium
- 1941: Das Geheimnis der Schnallenschuhe
- 1941: Das Böse unter der Sonne
- 1941: Rotkäppchen und der böse Wolf
- 1942: Die Tote in der Bibliothek
- 1942: Die Schattenhand
- 1943: Das unvollendete Bildnis
- 1944: Kurz vor Mitternacht
- 1944: Ein Frühling ohne dich (als Mary Westmacott)
- 1944: Rächende Geister
- 1945: Blausäure
- 1946: Das Eulenhaus
- 1946: Erinnerung an glückliche Tage (als Agatha Christie Mallowan)
- 1947: Die Arbeiten des Herkules
- 1948: Der Todeswirbel
- 1948: Die Mörder-Maschen
- 1948: Die Rose und die Eibe (als Mary Westmacott)
- 1949: Das krumme Haus
- 1950: Ein Mord wird angekündigt
- 1951: Sie kamen nach Bagdad
- 1952: Vier Frauen und ein Mord
- 1952: Fata Morgana
- 1952: Sie ist meine Tochter (als Mary Westmacott)
- 1953: Das Geheimnis der Goldmine / Das Geheimnis der Amseln
- 1953: Der Wachsblumenstrauß
- 1954: Der unheimliche Weg
- 1955: Die Kleptomanin
- 1956: Wiedersehen mit Mrs. Olivier
- 1956: Spätes Glück (als Mary Westmacott)
- 1957: 16 Uhr 50 ab Paddington
- 1958: Tödlicher Irrtum
- 1959: Die Katze im Taubenschlag
- 1960: Ein diplomatischer Zwischenfall und andere Fälle
- 1961: Das fahle Pferd
- 1962: Mord im Spiegel
- 1963: Auf doppelter Spur
- 1964: Karibische Affaire
- 1964: Der Unfall und andere Fälle
- 1965: Bertrams Hotel
- 1965: Es begab sich aber (als Agatha Christie Mallowan)
- 1966: Die vergessliche Mörderin
- 1967: Mord nach Maß
- 1968: Lauter reizende alte Damen
- 1969: Schneewittchen-Party
- 1970: Passenger to Frankfurt
- 1971: Das Schicksal in Person
- 1972: Elefanten vergessen nicht
- 1973: Alter schützt vor Scharfsinn nicht / Die geheimnisvolle Botschaft
- 1973: Poems
- 1974: Hercule Poirots größte Trümpfe
- 1975: Vorhang
- 1976: Ruhe unsanft
- 1977: Meine gute alte Zeit
- 1997: Solange es hell ist